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Mittwoch, 21. Juni 2017

«Wenn die Fahne am Kirchturm weht,... »

Zur Vereinsreise im Jubiläumsjahr des Gemeinnützigen Frauenvereins Bülach hatten sich fast 70 Frauen angemeldet. Eine gemeinsame Fahrt ins Glarnerland und Zürcher Oberland stand auf dem Programm.

Aber zuerst traf man sich in der Bülacher Altstadt zu Kaffee und Gipfeli. Bereits auf dem Weg zum Treffpunkt entdeckte das ein oder andere Mitglied die Fahne mit dem Vereinslogo, die im strahlend blauen Sommerhimmel am Kirchturm im Wind flatterte. Wie in vergangenen Zeiten hiess es «Wenn die Fahne am Kirchturm weht, der Bülemer Frauenverein auf Reisen geht.»

Der Vorstand hatte sich etwas Spezielles ausgedacht, liess er doch mit der Beflaggung des Kirchturms eine langjährige Tradition wieder aufleben. In den Zeiten ohne Festnetztelefon und Handy war die Flagge immer das Erkennungszeichen für die Frauen gewesen, ob die Reise durchgeführt oder verschoben wurde. Im Archiv finden sich entsprechende Aufzeichnungen, die erste erhaltene aus dem Jahre 1935. Dort hiess es: Zeichen der Abreise: Fahne auf dem Kirchturm.

In ihrer Ansprache zur Begrüssung der Reiseschar führte Frauke Böni, Vorstandsmitglied des Frauenvereins aus, wie bedeutend so ein Reisetag für die Frauen in diesen vergangenen Tagen war. Ein Tag weg von Mann, Kindern und Herd, von den grossen und kleinen Alltagssorgen. Das beweisen Aufzeichnungen in den Protokollbüchern, Kopien von alten Einladungsflyern, Bilder und illustre Reiseberichte, manche seitenlang, in verschiedenen Handschriften, ganze Hefte füllend, in Prosa oder Reimen.

Die detailgetreuen, überschwänglichen Texte lassen diese Reisen im Kontext der Geschichte spürbar lebendig werden. Von früh bis spät in die Nacht war man unterwegs, zuerst nur mit der Bahn, dann auch ab und zu mit Stadler-Autos. 1929 ging es bereits sogar ins Ausland, bis zum Titisee im Schwarzwald. Auch gesungen wurde viel, die Lieder waren hörbare Zeichen der Lebensfreude.  1943 ging’s in Emmental «…ins Land des Überflusses und der Fülle, wo man zwar schon immer ausgezeichnet essen konnte, welcher Umstand aber am Ende des vielen Kriegsjahres doch in hellerem Lichte erstrahlte, als in den Tagen eines fernen Friedens «, liest man weiter. Und man liest weiter von «Gemüse, das vollkommen unter dem Bergen von unter den Bergen von Schweinefleisch, Geräuchertem und Gekochtem verschwand, von wunderbaren Erdbeertorte und feinem Kaffee».

Nach den Ausführungen über die vergangenen Zeiten fuhren die Frauen im Car über das Zürcher Oberland ins Glarnerland bis nach Glarus. Im historischen Restaurant «Schützenhaus in Glarus» genoss man nach einem Apéro einen feinen Zmittag, bevor es frisch gestärkt weiter ging zur letzten Schweizer Textildruckerei in diesem Tal. Mitarbeiter der Mitlödli Textildruck AG erklärten und zeigten den begeisterten Frauen ihre Produktionsanlagen, die teilweise sehr antiquarisch wirkten, aber bewiesen, dass moderne Technik ohne «das Gspüri»und viel Engagement für das Produkt auch kein Erfolgsgarant sind. Seit über 75 Jahren werden hier Stoffe für Innen-und Ausseneinrichtungen, Bett und Bad, Bekleidung, Accessoires und andere textile Anwendungen produziert. Am bekanntesten wohl der Camouflage-Print für die Schweizer Armee oder die edle Bettwäsche von Christian Fischbach. Im Fabrikladen «Siidäbogä» konnte die ein oder andere Vereinsfrau nicht widerstehen und nahm ein paar Meter dieser herrlichen Stoffe mit ins Unterland. Im Anschluss reiste man zurück nach Dürnten, wo sich bei einem Abstecher ins das Gartencenter Meier über die wunderbare Blumenpracht freute oder bei einem Kaffee gemütlich zusammensass. Für den Rest der Heimreise war man dankbar über die Errungenschaften der heutigen Zeit, v.a. die Klimanlage im Car wurde sehr geschätzt.

Alle waren sich einig, die schöne Tradition der Vereinsreise hat auch heute noch einen hohen Stellenwert im Vereinsleben.

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